Mehr Auflagen, mehr Fragen: Wohin steuert die GAP?
Neue Landvolk-Podcast-Staffel startet mit Blick auf Geschichte,
Herausforderungen und Zukunft
L P D – Heute erscheint die erste Folge der neuen
Landvolk-Podcast-Staffel. An der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)
führt für landwirtschaftliche Betriebe kein Weg vorbei. Mit dem
Start der neuen Staffel zur GAP und dem mehrjährigen Finanzrahmen
(MFR) schafft das Landvolk Niedersachsen mit Moderatorin Wibke
Langehenke und neuen Gästen nun Orientierung in einer Phase, in
der die Weichen für die Zeit nach 2028 gestellt werden.
Gemeinsam mit dem langjährigen Referenten für Struktur- und
Förderpolitik Dr. Wilfried Steffens und seinem Nachfolger Eike
Christian Grupe wird deutlich: Die Wurzeln reichen zurück in die
Nachkriegszeit. „Der Hunger war das große Thema, das durfte nie
wieder passieren“, bringt Steffens die Ausgangslage auf den Punkt.
Die in den Römischen Verträgen festgelegten Ziele – unter anderem
Versorgungssicherheit, stabile Märkte, wachsende Produktivität und
eine Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens für Landwirte – gelten im
Kern noch immer. Gleichzeitig verweist Grupe auf ein
Spannungsfeld, das bis heute besteht: „Angemessene Preise für
Verbraucher und eine angemessene Lebenshaltung durch eine Erhöhung
des Einkommens für Landwirte passen nicht unbedingt zusammen.“
Von Garantiepreisen und Überproduktion über Quotenregelungen bis
hin zur Reform 2005 mit der Entkopplung der Direktzahlungen: Seit
ihrer Einführung hat sich die GAP immer wieder grundlegend
verändert. Besonders dieser Systemwechsel stellte viele Landwirte
vor enorme Herausforderungen. „Das war eine sehr prägende Zeit mit
vielen Emotionen und auch Existenzängsten“, erinnert sich
Steffens.
Seit 2015 steht die GAP im Fokus der Ökologisierung: mehr
Umweltauflagen, mehr Detailregelungen, mehr Bürokratie. Begriffe
wie Konditionalität, GLÖZ-Standards oder Öko-Regelungen prägen den
Alltag. Die Kritik wächst. „Das ist so kleinteilig geworden, dass
es oft nicht mehr mit der Realität auf den Höfen übereingeht“,
bringt Grupe es auf den Punkt.
Es braucht aus Sicht des Landvolks eine Vereinfachung.
Gleichzeitig gewinnen klassische Ziele wieder an Bedeutung. „Wir
müssen künftig wieder stärker über Versorgungssicherheit
sprechen“, betont Grupe vor dem Hintergrund geopolitischer Krisen
und des Klimawandels. Ziel müsse es sein, Produktivität und
Umweltleistungen gemeinsam zu denken und Landwirte als Partner
einzubinden.
Steffens bleibt dabei kritischer: „Einfacher wird es
wahrscheinlich nicht, wir machen uns das oft selbst kompliziert.“
Trotzdem sei klar, die GAP bleibt ein zentrales Instrument, das
die Landwirtschaft weiterhin prägen wird. In den kommenden Folgen
geht es um die aktuelle Antragsperiode, eine Einordnung der
Reformvorschläge ab 2028 und die Frage, was das alles für die
nächste Generation bedeutet.
Hier die erste Folge hören:
Landvolk Podcast zur GAP bei Spotify
Der Landvolk-Pressedienst erscheint zweimal wöchentlich.
Abdruck honorarfrei; Quellenangabe erwünscht.
Ansprechpartnerin:
Silke Breustedt-Muschalla |
0511 36704 83 |
silke.breustedt-muschalla@landvolk.org
Spargelernte 2026 gestartet: Saison läuft auf Hochtouren
Spargelanbauer nach dem Turbostart zufrieden mit Angebot und
Nachfrage
L P D – „Gebratener grüner und weißer Spargel auf Melonencarpaccio
mit Ziegenkäse und Erdbeeren ist unser Rezept des Jahres“,
schwärmt Fred Eickhorst, Geschäftsführer der Vereinigung der
Spargel- und Beerenanbauer, der damit für den vielseitigen Einsatz
des Edelgemüses wirbt. Seitdem die meisten Spargelhöfe und
Supermärkte Schälmaschinen aufgestellt hätten, sei Spargel schnell
und einfach zubereitet. „Ganz schlicht mit Butter, Schinken und
Kartoffeln gibt es derzeit nichts Schnelleres“, ist er sich
sicher. Nach dem Turbostart – „von der Schneedecke in den
Spargelanstich“ – Ende März, sind nun alle Spargelbauern mit der
Ernte des gesunden Gemüses in vollem Gange. „Die kalten Nächte und
das wechselhafte Aprilwetter haben das Wachstum wieder etwas
gebremst“, sagt Eickhorst. Der Spargel sprieße dadurch langsamer
und gleichmäßiger aus der Erde. „Angebot und Nachfrage passen“,
laute das Echo aus der Branche. Die Spargelanbauer seien daher
sehr zufrieden mit dem Start. „Die Nachfrage ist gut, die Kunden
freuen sich über das frische Gemüse und die Ernte läuft auf
Hochtouren“. Nun bleibe abzuwarten, ob die Kunden aufgrund der
hohen Spritpreise bei Lebensmitteln sparen wollen. „Ich glaube
eher, dass die Menschen auf den Urlaub verzichten und sich ihr
Leben zu Hause schön machen, um sich etwas zu gönnen“, beruft sich
Eickhorst auf die Erfahrungen aus der Corona-Zeit, bei der der
Spargel von der schlechten Stimmung profitiert habe. Zudem ziehe
die Nachfrage Ende April mit den großen Spargelessen in den
Restaurants und Gaststätten im Lande deutlich an. Und auch, wenn
der Preis pro Kilogramm mit steigenden Erntemengen sinke, würden
die Spargelbauern versuchen, ihn aufgrund der gestiegenen
Lohnkosten etwas länger hochzuhalten. „Die Einsparmöglichkeiten
sind ausgereizt, da geht erst wieder etwas, wenn der Spargel durch
Roboter oder Spargelvollernter geerntet wird und dadurch
Lohnkosten eingespart werden können“, wagt Eickhorst einen Blick
in die Zukunft. Noch müssten die Kostensteigerungen daher an die
Kundinnen und Kunden weitergegeben werden.
Geschält schmecke auch der krumme, violette oder Bruchspargel
wunderbar, hat er festgestellt. „Ich habe schon Spargel für
weniger als zehn Euro pro Kilogramm gekauft und der war sehr
lecker“, weist er darauf hin, dass Spargel in allen Variationen
für unterschiedlich große Geldbeutel angeboten werde. Mit den
ersten Erdbeeren aus dem Gewächshaustunnel rechnet er Ende April.
Der Landvolk-Pressedienst erscheint zweimal wöchentlich.
Abdruck honorarfrei; Quellenangabe erwünscht.
Ansprechpartnerin:
Wiebke Molsen | 0511 36704 30 |
wiebke.molsen@landvolk.org
Kosten-Schock durch Brandschutzpläne für Ställe
Fatales Signal an innovative Landwirte: Richtlinienentwurf
bedroht die Tierhaltung
L P D – Das Landvolk Niedersachsen schlägt Alarm: „Der Entwurf der
neuen Brandschutzrichtlinie für Stallgebäude gefährdet die Zukunft
der Nutztierhaltung“, verdeutlicht Landvolkpräsident Holger
Hennies. Die geplanten Vorgaben drohten Investitionen in neue
Ställe wirtschaftlich unmöglich zu machen. „Unter diesen
Bedingungen sind Stallbauten kaum noch realisierbar“, warnt
Hennies. Dabei sei ein neuer Stall immer ein besserer Stall.
Sowohl im Hinblick auf Tierwohl als auch auf Leistung und damit
auch auf die CO2-Effizienz.
Scharfe Kritik übt der Verband auch am Verfahren. Wichtige
Fachverbände seien erst spät eingebunden worden, während
Tierschutzverbände früh beteiligt gewesen seien – für das Landvolk
ein nicht nachvollziehbares Vorgehen.
Im Zentrum der Kritik stehen massive Kostensteigerungen durch
strengere Bauvorgaben. Zudem sei unklar, ob die Regeln auch für
bestehende Ställe gelten sollen. „Für viele Landwirte würde das zu
untragbaren Belastungen führen, sie müssten die Tierhaltung
aufgeben“, erläutert Hennies. Das Landvolk drängt daher auf eine
klare Begrenzung für Neubauten.
Zugleich betont der Verband, dass bereits heute hohe
Brandschutzstandards gelten und moderne Technik die Landwirte bei
Temperaturveränderungen alarmiert. „Statt zusätzlicher starrer
Vorschriften brauchen wir praxistaugliche und verhältnismäßige
Lösungen“, sagt Hennies. Alternative Maßnahmen wie Löschsysteme
oder angepasste Rettungswege müssten stärker berücksichtigt
werden.
Weitere geplante Vorgaben, etwa zur sofortigen Aufschaltung von
Brandmeldeanlagen auf die Feuerwehr, lehnt das Landvolk als teuer,
störanfällig und unverhältnismäßig ab. Positiv bewertet der
Verband einzelne Punkte wie Regelungen zu Feuerlöschern oder
Technikräumen – sofern sie auf das notwendige Maß begrenzt
bleiben.
Abschließend fordert das Landvolk eine grundlegende Überarbeitung
der Richtlinie. Ziel müsse ein wirksamer Brandschutz sein, den die
Betriebe wirtschaftlich stemmen können. „So wie jetzt darf die
Richtlinie nicht kommen“, stellt Hennies klar. Kostenexplosionen
seien die Folge, ganz zu schweigen vom verfehlten Bürokratieabbau,
der die Landwirte ohnehin zermürbe.
Der Landvolk-Pressedienst erscheint zweimal wöchentlich.
Abdruck honorarfrei; Quellenangabe erwünscht.
Ansprechpartnerin:
Wiebke Molsen | 0511 36704 30 |
wiebke.molsen@landvolk.org